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Generationenwechsel im Weingut Hans Wirsching

Andrea und Lena Wirsching über Qualität, Verantwortung und die Zukunft des Weinguts

Mit dem Generationenwechsel beginnt für das Weingut Hans Wirsching ein neues Kapitel. Andrea Wirsching blickt auf viele Jahre prägender Entwicklung zurück, Lena Wirsching übernimmt zunehmend Verantwortung und bringt neue Perspektiven in das Familienunternehmen ein. Im gemeinsamen Gespräch geht es um Erfahrungen, Wandel, Führungsverständnis und die Frage, wofür Wirsching in Zukunft stehen soll.

Andrea, was hat deine Zeit bei Wirsching persönlich am stärksten geprägt?

Am stärksten geprägt hat mich die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel. Vor allem natürlich die Bewässerung, aber auch die Philosophie im Weinberg, die sich seit dem Eintritt von Dr. Heigel an die höheren Temperaturen angepasst hat.

Lena, was bedeutet es für dich persönlich, Verantwortung bei Wirsching zu übernehmen?

Für mich bedeutet es, jetzt in eine Rolle hineinzuwachsen, auf die ich mich über viele Jahre vorbereitet habe. Gleichzeitig ist es auch ein persönlicher Schritt: Gemeinsam mit meinem Mann und unseren Töchtern werden wir unseren Alltag neu gestalten, damit ich künftig präsenter in Iphofen und im Weingut sein kann. Ich freue mich darauf, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft des Weinguts aktiv mitzugestalten.

Andrea, wie hat sich die Weinwelt aus deiner Sicht in den vergangenen Jahren verändert?

Es sind große, professionelle Player auf der ganzen Welt entstanden, die den Druck auf den deutschen Markt erhöht haben. Daher ist es nicht nur wichtig, das eigene Weingut zu profilieren, sondern auch die Region.

Lena, welche Erfahrungen möchtest du in das Weingut einbringen?

Durch meine Studiengänge „International Wine Business“ in Geisenheim und „Family Business Management“ an der Universität Witten/Herdecke habe ich sowohl fachliche als auch betriebswirtschaftliche Perspektiven kennengelernt. Besonders prägend waren für mich meine praktischen Erfahrungen bei den Weingütern Jurtschitsch im Kamptal und Alois Lageder in Südtirol. Dort konnte ich erleben, wie traditionsreiche Weingüter sich konsequent weiterentwickeln. Diese Erfahrungen und Impulse möchte ich nun bei uns einbringen.

Andrea, was ist für dich bis heute unverwechselbar Wirsching?

Wirsching hat elegante, komplexe Weine mit einer moderaten Säure, von denen man gerne ein zweites Glas trinkt. Um die perfekten Trauben dafür zu ernten, machen wir uns viel Arbeit im Weinberg. Diese Qualitätsphilosophie zieht sich wie ein roter Faden seit der Zeit unseres Großvaters und Vaters durch die tägliche Arbeit und deswegen ist unsere Marke auch so stark.

Lena, was möchtest du bei Wirsching unbedingt bewahren und wo möchtest du neue Akzente setzen?

Unsere lange Weinbautradition und der hohe Qualitätsanspruch sind für mich das Fundament des Weinguts und etwas, das wir unbedingt bewahren müssen. Gleichzeitig möchte ich einige Bereiche wie Markenführung, Digitalisierung und internationale Positionierung weiterentwickeln. Auch das Erlebnis vor Ort bietet aus meiner Sicht viel Potenzial. 

Andrea: Was bedeutet der Generationenwechsel bei Wirsching für dich?
Für mich ist der Generationenwechsel etwas, was wir seit langem geplant haben. Lediglich der Zeitpunkt stand nicht fest. Ich bin überzeugt, jetzt ist der richtige Moment dafür und ich weiß, dass Lena die perfekten Qualifikationen dafür hat.

Lena, was ist dir persönlich in der Führung eines Familienunternehmens wichtig?

Mir sind ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe, offene Kommunikation und klare Verantwortlichkeiten wichtig. Gute Führung bedeutet für mich, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, den Mitarbeitenden Vertrauen zu geben und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Gerade in einem Familienunternehmen halte ich es für entscheidend, Erfahrung und Tradition mit neuen Ideen zu verbinden und als Team an einer gemeinsamen Richtung zu arbeiten.

Wenn ihr an Wirsching im Jahr 2030 denkt: Wofür soll das Weingut dann stehen?

Andrea:
Wirsching hat immer zu den Spitzenbetrieben Deutschlands gehört und soll auch künftig für diese Qualität stehen. Unser aufwendiger Weinbau, insbesondere in den Steillagen, bildet dafür die Grundlage. Eine zentrale Rolle wird weiterhin der Silvaner spielen – als prägende Rebsorte unseres Hauses und unserer Region.

Lena:
Für mich soll Wirsching auch 2030 klar für höchste Qualität und eine starke, eigenständige Positionierung stehen. Wir haben den Anspruch, sowohl bestehende als auch neue Kundengruppen für unsere Weine zu begeistern.